Harvard-Methode – Interessen statt Positionen verhandeln

Das weltweit bekannteste Verhandlungsmodell praxisnah erklärt


Die Harvard-Methode (auch Harvard-Konzept oder Principled Negotiation) ist ein Verhandlungsmodell, das 1981 von Roger Fisher und William Ury an der Harvard Law School entwickelt und im Buch Getting to Yes veröffentlicht wurde. Es gilt heute als das weltweit meistgenutzte Fundament professioneller Verhandlungsführung – in Einkauf, Vertrieb, Führung und Diplomatie.

Der Kern: Wer nicht über Positionen, sondern über Interessen verhandelt, findet mehr Lösungen und erzielt nachhaltigere Ergebnisse. Gleichzeitig werden Beziehungen geschont statt beschädigt.


Harvard-Methode auf einen Blick

Herkunft
Roger Fisher & William Ury, Harvard Law School, 1981
Buch
Getting to Yes (Deutsch: Das Harvard-Konzept)
Kernprinzip
Interessen statt Positionen – Menschen und Probleme trennen
Ziel
Win-Win-Einigungen, die tragfähig und fair sind
Ergänzung
BATNA, ZOPA, Ankertechnik, Drucktaktiken
Training
Dokumentation anfordern oder direkt anrufen: +41 79 441 88 87

Die 4 Prinzipien der Harvard-Methode

1. Menschen und Probleme trennen

Verhandlungen scheitern oft, wenn sachliche Differenzen persönlich genommen werden. Die Harvard-Methode trennt konsequent die Beziehungsebene von der Sachebene. Hart in der Sache, respektvoll in der Beziehung – das ist das Ziel. Wer diesen Grundsatz beherrscht, kann auch schwierige Gespräche ohne bleibende Beziehungsschäden führen.

2. Interessen statt Positionen

Hinter jeder Forderung stecken Interessen. Ein Einkäufer fordert 10 Prozent Rabatt (Position) – sein eigentliches Interesse ist möglicherweise, das Budget einzuhalten oder einen internen Benchmark zu erfüllen. Wer das versteht, findet Lösungen ausserhalb des Positionsringens: andere Zahlungsbedingungen, Volumenstaffelungen oder Serviceleistungen, die den Wert erhöhen ohne den Preis zu senken.

3. Optionen zum gegenseitigen Vorteil entwickeln

Bevor man sich festlegt, so viele Lösungsmöglichkeiten wie möglich sammeln – ohne sofortige Bewertung. Dieser Brainstorming-Schritt vergrössert den Verhandlungskuchen. Oft findet man dabei Pakete, die beide Seiten besser stellen als die ursprünglichen Positionen.

4. Objektive Kriterien nutzen

Marktpreise, Gutachten, Branchenstandards, Präzedenzfälle oder gesetzliche Normen als sachliche Massstabäbe einsetzen. Das entzieht willkürlichen Forderungen den Boden und macht Einigungen legitim und haltbar.

Harvard-Methode und BATNA

Die Harvard-Methode regelt, wie man verhandelt. Die BATNA (Best Alternative to a Negotiated Agreement) regelt, wann man abbricht. Beides zusammen ergibt eine vollständige Strategie: sachlich und interessenbasiert vorgehen – aber nur, wenn eine Einigung besser ist als die eigene Alternative.

Wer seine BATNA nicht kennt, weiss nicht, ab wann ein Abschluss ein Fehler ist. In der Praxis bedeutet das: Vor jeder wichtigen Verhandlung zuerst die eigene BATNA bestimmen, dann mit der Harvard-Methode in das Gespräch gehen.

Grenzen der Harvard-Methode

Die Harvard-Methode setzt voraus, dass beide Seiten grundsätzlich zu einem sachlichen Gespräch bereit sind. Bei rein distributiven Verhandlungen (fester Gesamtwert, alles dreht sich um Aufteilung) oder bei aggressiven Verhandlungspartnern, die mit Drucktaktiken und Bluffen arbeiten, reichen die vier Prinzipien allein nicht immer aus.

Deshalb ergänzt CONSENSIS die Harvard-Methode im Training praxisnah: Ankertechnik, Umgang mit Drucktaktiken, Zugeständnissteuerung und der Einsatz der BATNA als Gerüst. Die Harvard-Methode bildet das Fundament – das vollständige Bild entsteht durch die Kombination mit taktischen Elementen.


Harvard-Methode im Training vertiefen – Dokumentation anfordern.



FAQ zur Harvard-Methode

Was ist die Harvard-Methode?

Die Harvard-Methode (auch Harvard-Konzept oder Principled Negotiation) ist ein Verhandlungsmodell von Roger Fisher und William Ury (Harvard Law School, 1981). Es basiert auf vier Prinzipien: Menschen und Probleme trennen, Interessen statt Positionen verhandeln, Optionen zum beiderseitigen Vorteil entwickeln und objektive Kriterien nutzen.

Ziel ist eine sachliche, faire und nachhaltige Einigung – ohne Beziehungsschäden auf beiden Seiten.

Was sind die 4 Prinzipien der Harvard-Methode?

1. Menschen und Probleme trennen

Hart in der Sache, respektvoll in der Beziehung.

2. Interessen statt Positionen

Hinter jeder Forderung stecken Interessen – wer diese versteht, findet kreativere Lösungen.

3. Optionen zum gegenseitigen Vorteil

Vor der Einigung möglichst viele Lösungsmöglichkeiten sammeln – ohne sofortige Bewertung.

4. Objektive Kriterien

Marktpreise, Normen und Präzedenzfälle als sachliche Massstabäbe nutzen.

Was bedeutet Interessen statt Positionen verhandeln?

Positionen sind konkrete Forderungen: Ich will 10 Prozent Rabatt.

Interessen sind die Gründe dahinter: Ich muss mein Budget einhalten oder Ich brauche einen internen Benchmark-Preis.

Wer nur Positionen verhandelt, läuft in Sackgassen. Wer Interessen versteht, findet oft Lösungen, die beide Seiten zufriedenstellen – auch wenn die ursprünglichen Forderungen unvereinbar schienen.

Was sind Vor- und Nachteile der Harvard-Methode?

Vorteile: Nachhaltige Einigungen, Erhalt der Geschäftsbeziehung, bessere Lösungen durch Optionenvielfalt, Glaubwürdigkeit durch Sachlichkeit.

Grenzen: Funktioniert am besten, wenn beide Seiten kooperativ sind. Bei aggressiven Gegenseitig oder rein distributiven Verhandlungen braucht es zusätzliche taktische Elemente: Ankertechnik, Druckentschärfung, Zugeständnissteuerung.

CONSENSIS vermittelt die Harvard-Methode deshalb immer in Kombination mit praxisnahen Taktiken.

Wie kombiniert man Harvard-Methode und BATNA?

Die Harvard-Methode definiert, wie man verhandelt: sachlich, interessenbasiert, respektvoll.

Die BATNA definiert, wann man abbricht: wenn kein Angebot besser ist als die eigene Alternative.

Beides zusammen ergibt eine vollständige Verhandlungsstrategie. Die Harvard-Methode ohne BATNA führt dazu, dass man auch schlechte Abschlüsse annimmt, weil man keinen klaren Abbruchpunkt hat.

Wie wende ich die Harvard-Methode im Einkauf an?

Im Einkauf bedeutet die Harvard-Methode: nicht nur auf den Preis fixieren, sondern die Interessen des Lieferanten verstehen.

Ist ihm Auslastung wichtig? Braucht er eine Referenz? Hat er Cashflow-Druck? Wer das weiss, kann Pakete schneidern, die den eigenen Preis senken ohne die Beziehung zu beschädigen.

Besonders bei strategischen Lieferanten und Engpasssituationen schafft die Harvard-Methode tragfähigere Ergebnisse als reines Positionsringen.

Wie wende ich die Harvard-Methode im Vertrieb an?

Im Vertrieb bedeutet die Harvard-Methode: die Interessen des Käufers hinter seiner Rabattforderung verstehen.

Will er wirklich einen tieferen Preis – oder geht es ihm um Budget-Compliance, Referenzpreise oder Liefersicherheit? Wer das versteht, kann Pakete schneidern (Volumen, Laufzeit, Service), die den Wert erhöhen ohne die Marge zu schmälern.

Kann ich die Harvard-Methode im Training lernen?

Ja. CONSENSIS vermittelt die Harvard-Methode im Verhandlungstraining praxisnah: mit echten Verhandlungsfällen aus dem Alltag der Teilnehmenden, Rollenspielen und konkretem Feedback.

Das Training findet firmenintern in der Schweiz statt – massgeschneidert für Einkauf, Vertrieb oder Führungskräfte.



Verwandte Seiten – Verhandlung

  1. Verhandlungstraining – Praxisorientiertes Training in Zürich und der Schweiz
  2. BATNA – Best Alternative to a Negotiated Agreement
  3. Preisverhandlung – Preise souverän verhandeln und Marge sichern
  4. Verhandlungstraining Einkauf – Harvard-Methode in der Beschaffung
  5. Verhandlungstraining Vertrieb – Interessenbasiert verhandeln statt Rabatt geben
  6. Verhandlungstraining Führungskräfte – Harvard-Methode in Innen- und Aussenverhandlungen

Wir freuen uns von Ihnen zu hören. Kontakt